Nostalgie



Lassen Sie sich von mir entführen in die alten Zeiten, wo wir noch fasziniert vor den Geräten saßen. Wo wir in das sanfte, warme AM-Rauschen hineinhorchten um entfernte Stationen zu erahnen. Wo sich das AM-Rauschen im Kopf zu einem unbekannten Raum formte, von dem man wusste, das da jemand ist, aber noch nicht zu sehen war. Wo jedes leichte Knacken, Zischen, Stimmchen registriert wurde. Wo mit Herzklopfen die Hand über der Sendetaste schwebte und man in den unbekannten Raum "Ist jemand da draussen!?" hineinrufen wollte. Wo man sich das erste mal klar wurde, das der Begriff "da draussen" eine andere Bedeutung bekam. Wo man zum ersten mal erfuhr wie sich der "Äther" anhörte.
Das haben wir alle schon am Kurzwellenradio gemacht, aber nun können wir mitmachen.
Wo wir auf Kanal 9 die Brummifahrer begleitet haben und anderswo unsere Ortsrunden hatten, Freunde fanden und auch unangenehme Zeitgenossen.

Schöne, alte und warmklingende Stationsgeräte, nebst einem schicken Mikrophon, auf dem Tisch standen und wenn man sie ansah, dann erinnerte eine alte Grundig, Kaiser, Mader oder Zodiac eher an ein Möbelstück oder festen Bestandteil der Zimmereinrichtung, als heute an ein HiTech-Gerät.

Beim Bedienen der schweren Geräte spürte man die Qualität und die Mühe, die sich der Konstrukteur damit gegeben hatte. Satt einrastende Schalter und leicht schwergängige rastende Potis. Sauber klingende Lautsprecher und ein richtiges Relais, das anzog, wenn man auf Sendung ging, begleitet von einer "On The Air" Signalleuchte. Aus Aluminium gedrehte oder gefräste Knöpfe fasste man gerne an. Das Gerät war nicht nur hochwertig, es fühlte sich auch so an.
Geben wir doch zu, das es nicht allein die reine Kommunikation war, die den CB-Funk so interessant machte. Es war auch ein Stück weit Faszinantion am Umgang mit den Geräten selbst. Ein Sender, ein Standmikrophon und man war schon so ein bißchen ein kleiner Moderator - in eigener Sache.

Und heute?
Heute haben wir Geräte die viel können aber nicht viel taugen. Sie können viel, aber das nicht besonders gut. Die bieten viele Knöpfe und Schalter deren Bedienung keine Freude mehr bereitet, weil man das billige Konstrukt dahinter nicht nur spürt sondern auch hört. Hat einmal jemand den 80 Kanal-Drehschalter an einer DNT Meteor 80 oder Albrecht AE8000 gedreht und sich das auch mal angehört? Ist das nicht furchtbar? Das macht doch keinen Spaß. Oder hat sich einmal jemand den Klang der ach so hochgelobten Stabo 9082 angehört, oder die Innere Verarbeitung angesehen? Der billige Papptöner grenzt schon an eine Unverschämtheit. Auch wenn die Geräte sonst gute technische Parameter zu bieten haben, so macht das Betreiben doch lange nicht so viel Spaß, als wenn man ein Gerät der alten Bauart aufstellt. Heute haben wir maximale Funktionen zu minimaler Qualität, oder zumindest einen Kompromiß aus beidem. Geräte ohne technischen Stil.

Selbstverständlich ist das eine Preisfrage. Die Geräte würden ein Vielfaches mehr kosten, wenn man sie heutzutage in der Qualität bauen würde, wie damals. Aber was will man tun - wenn man 80 Kanäle haben möchte? Für rund 50.-€ bekommt man ein billiges 80 Kanal Euro-Norm Gerät. Zum kommunizieren reicht es.

Genau hier setze ich meinen Hebel an.
An der Stelle, wo es möglich wird dem CB Funk wieder etwas technischen Stil zu geben. Ein Kompromiß in der Tat, aber zugunsten der Qualität und der Liebe zum Erhalt dieser technischen Feinwerke. Wenn nun jemand ähnlich empfindet, dann befindet er sich hier in bester Gesellschaft. Denn neben mir gibt es noch eine ganze Menge mehr so denkender.
Deswegen danke ich meinen Funkfreunden: Kalle, Gerd, Kurt, Sven, Michael, Holger, Andreas, Stefan, Lutz, Udo und Claus, die meine Arbeit auf Ihre Weise gewürdigt haben. Danke für Euer Vertrauen, Eure Hilfe und Eure Anerkennung.

Backfire
DG4OBA

Ja...

Ich möchte auch meine alte Kiste wiederbeleben... :-)